Uns verbindet, pardon, verband so einiges mit dem Münchner Cord Club, unserem Indie-Zweitwohnsitz neben dem Atomic Café. Leider aber leben wir momentan in Zeiten, in denen der Begriff „Indie“ und all seine Errungenschaften einer vergangenen Epoche angehören. So auch der Cord Club („das Cord“ für uns) und wir durften zum Abschluss noch einmal laut „Servus“ sagen. Mach’s gut, Cord!
 
Abschied von einer Epoche

Wir wurden neulich in einem Radiointerview gefragt, welchen Merchandising-Artikel wir denn gerne in unser Bandsortiment aufnehmen würden und wir antworteten unter Zeitdruck: lebensgroße Pappaufsteller von uns Fünfen. Schaut man sich allerdings das aktuelle Geschehen in unserem Genre an, hätten wir stattdessen antworten sollen: „T-Shirts mit dem Slogan ‚Indies Not Dead (Not Yet)!'“

Es sind schwere Zeiten für das musikalische Genre, das einst unter dem Namen „Indie“ in aller Munde war. Damals und zumindest so lange, bis das – so unabhängige – Indiegefühl komplett vom Mainstream aufgesogen wurde. Schon immer war das ja ein recht streitbarer Begriff, beim dem nie so recht klar war, wofür er denn nun stand: Für ein Kollektiv von Musikern, die allesamt ihre Musik bei kleinen Indielabels vertreiben? Für einen hochindividualisieren (und doch so uniformen) Lifestyle, der heute einfach durch den Begriff des omnipräsenten „Hipsters“ ersetzt wurde? Oder gar für die Musik an sich, die sich durch die Rückkehr von gitarrenlastigen Arrangements auszeichnete? Und wenn ja, war das nicht auch schon beim Britpop in den 90ern der Fall? Oder wenn Ihr wollt, bereits beim Grunge, der ja auch optisch und modisch wesentlich mehr „Indie“ war als die Skinny-Jeans- und Cardigan-tragenden Indiepopper der Nullerjahre.

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Wie dem auch sei, das, was wir heute noch landläufig als „Indie“ bezeichnen, gehört aufgrund vielfältiger Entwicklungen in allen relevanten Bereichen jetzt definitiv zum alten Eisen. Reine Gitarrenmusik ist seit ein paar Jahren nicht mehr wirklich hip. Auf Indie (im musikalischen Sinne) folgte Indietronic und die Musik an sich wird zunehmend elektronischer und Clubbeat-lastiger. Was hinzu kommt, ist, dass das Stil-Potpourri der letzten 5-10 Jahre auch keine wirkliche Abgrenzung in Genres, geschweige denn „Szenen“ mehr zulässt. Reine Indie-Läden haben es heutzutage immer schwerer, neben mainstreamig angehauchten Clubs zu bestehen, deren Besucher und Playlists sich nur noch geringfügig unterscheiden. Und seit Bands wie „Kraftklub“ auch im Supermarkt zur musikalischen Untermalung der Einkaufstouren beitragen, ist das Zeitalter musikalischer Geheimtipps aus der Indie-Ecke wohl endgültig vorbei.

In München lässt sich das derzeit am großen Indiesterben recht anschaulich verfolgen. Neben dem bereits totgesagten Atomic Café, hat sich nun auch der Cord Club endgültig verabschiedet, um sich irgendwann mit neuem Programm und ohne Indie-Stempel wieder in das Einerlei der Münchner Clubszene zu einzugliedern. Was bleibt uns da noch zu sagen?

Mach es gut, Cord. Es war uns eine Ehre, auf Deiner Beerdigung spielen zu dürfen! Danke an dieser Stelle an DJ Phillinger für die Organisation und Jonas, unseren „Leihmusikanten“, der sich ganz fabelhaft in unsere Band eingefügt hat.

Indie’s Not Dead. Not Yet!

Eure Becquerels